14. Mai 2012

Neue Ährenämter

Oder: Die Suche nach Heu, Kröten oder Knete.

Bereits vor ein paar Wochen nahm ich zwei Ehrenämter an. Das erste war aus Scarletts Idee gewachsen, die mir sagte: “Eh, das könnte auch was für dich sein.” Gemeint war ein Schauspieljob, nicht am Schauspielhaus, aber an der Ruhr-Uni Bochum. Eine eMail war schnell ausgetauscht: “Schreib doch den und den an und lass dich auf den Verteiler setzen.”

So flatterte Ende März eine Antwort mit der Einladung zur Schauspielerschulung ins Haus.
An und für sich machte mir das nichts. Das in mich gesetzte Vertrauen kann auch enttäuscht werde, dachte ich und hatte trotzdem einen klumpigen Mulmen im Hals. Die anderen Mitkolleginnen, ja die Mitschauspielrinnen waren vorbelastet und ich kramte in meinem Rückerinnerungungsaufenthaltsgedächtinis, ob ich nicht doch mal … Halt, Statisterie an der Deutschen Oper am Rhein! Drei Auftritte bei Kiss me Kate!

Ich sollte eine genervte Mutter spielen, die den Zeugen Jehovas angehört und deren Religionsüberzeugung im Schulbetrieb missachtet worden war. Die Empörung gelang mir nicht, aber es war ja nur ein Vorwarmlaufschauspielen. “Geh mal härter dran”, empfahl mir der Leiter, und im nächsten Simulationsfall hatte ich eine Mitarbeiterin zu Rede zu stellen, die das Firmenvertrauen schwer missbraucht hat. So habe ich sie gefeuert (”Geh mal härter ran!”), he he. Und angeschnauzt, he he, hab ich sie auch, und ich glaube, das hat ihr Stress bereitet. Soweit der Vorlauf.

Gestern ging es “in echt” in die Rollen. Fünf Gruppen Studierende fürs Lehramt mussten bespielt werden. Die KandidatInnen sollten die zukünftigen LehrerInnen spielen und lernen, Konfliktgespräche zu führen. Ich war wieder eine empörte Mutter, dieses Mal die Mutter eines Fünferkindes, dessen Versetzung gefährdet ist. Nun, was blieb, als den Konflikt dort zu suchen, wo das Gegenüber sich nicht wehren kann. Ich argumentierte: “Mein Kind hat Angst vor Ihnen, Sie unterdrücken mein Kind, es kommt bei Ihnen in Ihrem Unterricht nicht zum Zuge.” Daher die Fünfen.

Nun galt es, irgendwie zu schaffen, dass das Kind im Folgenden im Unterricht besser benotet wird und tatsächlich konnte ich zwei Lehramtsanwärtern ein Quasi-Versprechen ableiern, dass die nächste Klausurnote besser wird. Hihi, das gab natürlich Tadel in der Nachbesprechung.

Trotzdem war alles sehr kollegial verlaufen. Man muss sie in die Zange nehmen, das spürte ich, aber es ist ja nur ein Spiel. Menno, waren einige nervös gewesen!
(und ich erst)

Gerne hätte ich das Geld Cash auf die Kralle mit nach Hause genommen. Ich habe irgendwie Spaß an Cash-Auf-Die-Kralle-Geld. Das ist grundehrlich: Ich arbeite und hab dann auch direkt meinen Lohn. Ohne viel Umweg über die Bank. Ich will nicht sagen, dass ich permaklamm bin, aber ich will sagen, dass es ich ein saugutes Gefühl habe, sofort das Geld zu haben, das man vor dreizehn Minuten erwirtschaftet hat. Das entfremdet mich nicht von meiner Dienstleistung.

Sonntag, Wahlsonntag, Muttertag.
“Da können Sie ausschlafen”, hatte mir die Dame vom Wahlamt mein Ehrenamt telefonisch vor zwei Wochen schmackhaft gemacht. “Ich habe Sie als Wahlhelferin für die Briefwahl eingesetzt.” Hm. Ich kannte jede Menge alter Menschen, die Wahlhelfer waren, oder geradezu dazu verdonnert waren — Lehrer und Stadtangestellte, und meist machten sie es Jahrtausende lang und sie machten es nicht zu ihrem Spaß, aber es ist ein Job, von dem kommt man nicht los.

Mich hatten sie gleich als Schriftführerin eingetragen. Ein Glück in zweifacher Hinsicht. Zum einen wegen des Ausschlafens, zum anderen gibt es mehr Kohle. Ja. Eine Quickie-Schulung eine Stunde vorher hatte ich mitzumachen. Also um 11 Uhr antreten, im Raum den Vortrag entgegen nehmen. Ich sah so manche aus der ehemaligen Szene, damals politisch Links, APO, Kommunisten, Aktivisten. Heute gediegen, Wahlhelfer. Leutteeeeee… so lala bin ich doch nicht, ihr auch? ;-) Also, was mir auffällt, man hat sich seit der Wende nie mehr gesehen und jetzt sind die ehemaligen Jungspunde an Haaren ergraut. Anyway.

Ich kann gar nicht so schnell mitschreiben, wie ich nicht kapiere, wie so eine Wahl und die Stimmauszählung vonstatten gehen. Da ist es Zwölf, ich mach mich auf den Weg zur Memelstraße, ich eiere durch das Gebäude, das auch Schul- Öffentlichkeits- und Schokoticket, Sozialticket und Wahlamt ist, sondern wo auch im Keller gleich zwanzig Wahlbezirke ausgezählt werden. Ebendlich bin ich im Büro und da sind auch schon sechs andere und ich spüre: Ich bin die Letzte in persona und ich spüre auch, dass sie mir die Schriftführerin nicht abkaufen.

Zu meinem großen Glück ist der Briefwahlvorsteher ein sehr alter Hase und sein Stellvertreter ein sehr junger Spund, aber sehr sympathisch. Die Schriftführerin bin ich selbst und der Briefwahlvorsteher muss eine stellvertretende Schriftführerin ernennen. Dazu sitzen drei Beisitzer da, aber sie sind komplett. Dann geht alles schnell: Der Briefwahlvorsteher verabschiedet sich, die so eben gewählte stellvertretende Schriftführerin geht ebenso, und von den drei Beisitzern ist einer nun auch weg. Auf den Tisch gekippt liegen vor uns jetzt hundert oder tausend rosafarbener Briefumschläge. Der Stellvertreter regt an, sie zu öffnen. In jedem der rosafarbenen Umschläge steckt eine eidesstattliche Versicherung und ein blaue Umschlag mit dem Stimmzettel.

Es gilt im ersten Schritt zu prüfen, ob der Zettel mit der eidesstattlichen Versicherung korrekt unterschrieben ist. Oder ob der rosa Briefumschlag überhaupt zu unserem Stimmbezirk gehört. Und es gilt schon hier, es gibt Überraschungen: Es gab rosa Umschläge ohne unterschriebenen Wahlzettel, es gab auch welche mit Wahlzettel aber ohne Unterschrift. Es gab einen blauen Umschlag ohne rosa Drumherum (”Das haben wir noch nie gehabt”) und natürlich gab es die abenteuerlichsten Verklebungen am rosa Umschlag — und der Inhalt, dass der mal nur sicher ist!

Am liebsten waren mir die unbehandelten Umschläge. Man nahm den Brief heraus und legte ihn in die Wahlurne. Dann hieß es Füße still halten bis achtzehn Uhr. “Aber Schlitzen darf man?”, überlegten wir. Schlitzen heißt, die blauen Briefe vorher öffnen ohne den Wahlschein herauszunehmen. “Das ist legal in der Grauzone!”, sagte ein anderer. Ich schlug vor, in dem viele Seiten umfassenden Pamphlet nachzuschlagen. Nein, Abwarten bis 18 Uhr.

Um 18 Uhr waren alle Wahlhelfer wieder da. Nun zeigten sie viel Temperament und Vorankommewille. Denn jetzt hieß es nicht mehr Zeit abglühen bis die Wahllokale schließen, sondern jetzt lag es an uns wann wir das Wahllokal verlassen. Schnell eine Entscheidung treffen, ob die zweifelhaft verpackten rosa Umschläge zugelassen werden oder nicht. Das macht tatsächlich der Wahlvorstand. Dann schnell die Stimmzettel aus den blauen Umschlägen nehmen und eine erst Vorsortierung trennte sie in zwei Stapel: Der erste, wo Erst- und Zweitstimme gleich gegeben worden sind und die, die unterschiedlich gewählt haben. Ich sag mal so: Zwei Drittel der Wähler gaben die Erst- und Zweitstimme derselben Partei. Andernfalls galt es, das wegzutrennen.

Die Gleichgestimmten wurden sofort statifaktisch mit im Auswertebogen der Erst- und Zweitstimmen erfasst und vermerkt und weggelegt. Nun die die Zweitstimmen der Unterschiedlichwähler anfassen und danach die Erststimme der Erst- und Zweitstimmen-Unterschiedlich-Wähler ausgezählt. Das war unser Job.

Danach mussten schon die Zahl der gültigen Wahlscheine mit der Zahl der blauen Briefumschläge und der Zahl der Stimmzettel übereinstimmen, und das war bei uns das Problem. Wir hatten eine Stimme in der Erststimme am Ende zuviel. Ja. In der Zweitstimme stimmte die Stimme der Summe wieder, aber -… jo, es hölf nix, wir mussten nochmal ran, nochmal neu alle sortieren und zählen. Aber es blieb dabei: Eine Stimme Überhang. UMMMPFFF.

Das wurde im Wahljournal vermerkt Das hätte als Schriftführerin nie gewagt anmerken zu können, aber ich hatte auch, das gestehe ich hier, komplett den Überblick verloren. Man muss sich so vorstellen, dass hier sieben Leute im Wahlzimmer mit Stapeln von Papier an allen Ecken und Enden hocken, und die komplette Bodenfläche des Büros eingenommen ist, und alle Zettel auf Haufen zurückverteilt werden — die zu einem ein anderen zu Zehner- und Fünfzigerhaufen gehören. So eine Emsigkeit!

Ganz spannend sind natürlich die Stimmen der Spaßwähler. Da gab es heute einen Stimmzettel, auf dem waren alle Parteien angekreuzt. Alle, Ungültig, na klar. Dann gab es einen, auf dem waren partielle einige angekreuzt. Klare Kiste: Der Mann findet manche Parteien gut, andere sind Lümmel. Dann gab es einen, der radierte. kratze., Tipp- Exte und dann kam er zu einem SPD_Beschluss. Nur nicht mit Kreuz, sondern mit Kreuzschraffur. Sehr lebendig. Sehr klare Wähleraussage, aber das mussten wir als Vorstand abstimmen. Es gab übrigens auch eine Briefwahl, die ich persönlich als ungültig zurückweisen musste. Da hatte eine Dame das Feld, wo sie hätte unterschreiben sollen, leer gelassen. Dafür hat sie aber auf der Rückseite, wo das Wahlamt ihre Adresse eingesetzt hatte, ihre Adresse handschriftlich wiederholt. Sonst nichts. Ich schlug “ungültig” vor. Die anderen zauderten, man sollte ihren blauen Umschlag mit in die Wahlrune legen, sagten sie, aber das lehnte ich ab.

Wir hatten gegen 19.30 Uhr unseren Stimmbezirk ausgezählt. Ich hatte bis heute gedacht, dass die Briefwahl-Stimmbezirke die allerersten schnellsten Hochrechnungen liefern würden, aber inzwischen bin ich unsicher. Wir haben im Vorlauf mehr Arbeit, wir Briefwahlstimmbezirke. Weil wir alle Stimmzettel in je zwei Umschlägen haben, da wir müssen vor Ort sozusagen Absender und Stimmzettel trennen, weil ja die Wahl geheim ist.

Es war dann doch ein ergreifender Moment, als unser Briefwahlvorsitzender zum Telefonhörer gegriffen und für unseren Stimmbezirk das Schnellergebnis weitergegeben hat. Ab er es war halb acht und die Nachbarstimmbezirke waren auch nicht schneller gewesen, das stellte ich fest, und eigentlich war das auch das, was uns interessierte, und nicht etwa den Ausgang der Wahlen. Noch nicht. Wir waren noch nicht zuhause.

Ja, und jetzt wo ich fertig bin, wollt ihr wissen, wie viel ich verdient habe. Ich habe 45 Euro verdient, und es waren 45 Euro auf die Hand, ein so genanntes Erfrischungsgeld. Aber wie immer schön, so denke ich jetzt — nach getaner Arbeit auch direkt die Kröten in der Tasche zu spüren.

Soweit das verdiente Heu vom Ährenamt.

Ich hoffe, ihr habt gerne wieder von mir gelesen.
Dies war ein schöner Tag gewesen, ein Sonntag, Wahlsonntag, Muttertag.

Gute Nacht und gute Grüße,
von der Nachtphilosophischen.

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6. Juli 2010

Ihr wisst, dass Sommer ist

 

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… wenn es den Waldgoldbären in der Waldgoldbärentüte im Auto zu heiß wird und sie ALLE ALLE zu EINS verschmelzen.

Guten Appetit!


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4. Juli 2010

Blow out der Blow ins

 
Ihr Lieben!

Nun, wie versprochen, möchte ich euch an den Bildern teilhaben lassen, die Walter und ich bei unserem Treffen aufgenommen haben. Ich finde, wir hatten eine schöne Zeit heute und auch ein schönes Wetter und auch schön viel gute Laune.

Ob die Tönchen am Ende so schön waren, sei dahingestellt, aber das Grillen war ja noch wirklich schön (danke an die Jungs vom Catering).

Nun zur Fotosausbeute. Ich hoffe, es wurde jeder einmal getroffen und ich hoffe, nicht zu schwer verletzt. ;-)
 
(bei einer Dame mussten wir doch arg rätseln, aber sie kommt weiter unten)

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Gruppenbild unter Linde.
Wie gelinde hat die Linde im Winde geduftet!
Guido hat ernst gemacht und uns ans Arbeiten gekriegt: Instrumente auspacken, zusammenschrauben und Notenständer aufklappen.

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Während die Jungs haben faul in der Hängematte schaukelten.

Hier dürft ihr einmal raten, welches Stück wir spielen und ob wir es zusammen spielen:

Kurz danach kam die Stelle im Notenblatt, wo der Wind heftig dazwischenfuhr. Wir kamen zum Freien Improvisieren, aber das bleibt undokumentiert. Überhaupt ist nicht überliefert, ob hinter der Hecke zum Kanal jemand zuhörte und welchen Schaden wir ihm zufügten.

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Unglücklicherweise hat Stefan sich beim Schwimmen den Fuß aufgeratscht, es war so eine Wunde, wo man nicht weiß: Soll man pflastern oder den Notarzt rufen. Es sah nach Nähen aus und mein armes Schnüferl musste in die Notaufnahme ins Bethesda Krankenhaus gefahren werden. Dort entscheid man sich für Kleben und hier seht ihr ihn nun wieder in der Hängematte hängen: “Kannste mal Wasser bringen, ich habe Durst!” – Es ging ihm schnell wieder gut, zum Glück.

Aber jetzt müsst ihr mal schreiben, was noch gespielt wurde, während wir weg waren. 
Etwa das volle Programm?

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Ich mach mal mit der Kamera ‘nen Zug durch die Gemeinde und guck, dass jeder lächeln tut.

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Die Flip-Flap-Fußschlappen von Anke hättet ihr sehen sollen, die machten lustige Sommergeräusche.

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Christine und Guido. Eh, müsst ihr so ernst gucken?

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Na also, geht doch!

Guido und ich haben schließlich festgestellt, dass wir eine gemeinsame lange Vergangenheit auf den Kreuzfahrtschiffen hinter uns haben. Ein Hoch auf Phoenix-Reisen!

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Rolf (hält den Laden zusammen, unser bester Barimann)

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Hier möcht man mal wissen, was alles so gedenkt werden muss ….

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Und hier wird mehr geguckt, oder?

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Walter hat sich gut gehalten als einziger Nicht-Tröter.
Eh die Kinder lungern schon wieder in der Hängematte?

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Nicht wirklich scharf.

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So sah das in der Grobübersicht aus.
Ja, wir hatten einen schönen Nachmittag.

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Ab 20 Uhr herrschte eine nervöse Aufbruchstimmung.
Diese Dame wollte vermummt, unerkannt heimlich schnell nach Hause radeln.
Ich konnte sie fotografieren und tippe, ihr erratet nicht, wer sie ist.
Na?

Anke, Walter, Stefan und ich saßen noch eine lange Weile zusammen.
Anke meinte zufrieden: „Genau so hab ich mir das vorgestellt, es war genau so schön, wie ich dachte, dass es werden würde.”

BOAH, wunderbar.
Können wir das jetzt auch einmal sehen?

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Bitte sehr!

Danke an Anke und Danke an Ankes Familie, ihr habt es wunderbar ausgerichtet, wir alle hatten einen tollen Tag bei euch.

Ich schicke Grüße an euch alle und wünsche euch einen schönen Restabend.
Bis September.

Elke

Kommentare

Liebe VHS’ler,

es ist schade, dass ich nicht an unserem musikalischen Grillen teilnehmen konnte.
Ich habe dafür am Sa. das Fußballspiel genutzt, spezielle Griff-/ Tonkombinationen nach Londeix aus meinem Bariton zu quälen, was geschickt durch den Vuvuzela-Lärm überdeckt wurde.
Wenn das die Nachbar wüssten,
dass ich das grauenhafteste Vuvuzela von Rheinhausen geblasen habe.
Dies konnte ich dann am So. 04.07. bei
freier improvisierter Musik bei Gerd Rieger in Krefeld zum Besten geben.

Gruß
Heinz

Liebe Elke, herzlichen Dank für die Fotos und die netten Kommentare dazu.

Einen schönen Sommer
und liebe Grüße Ingeborg

hallo hallo blow ins,

ja, das war ein tolles blow out! tolle stimmung, tolle organisation – danke anke und walter, tolle grillmeister, tolle leckereien. geht’s dem fuß wieder besser? war ja nicht so toll!!!
manomann elke, eine flotte nachlese, auch toll. guido: die töne werden im herbst wieder besser; versprochen.
herzliche grüße und einen tollen sommer
brigitte

Hallo Brigitte,
dem Fuß geht es so lala, danke der Nachfrage. Wir waren heute beim Arzt. Der Tag war für Stefan so schwitzig, dass die Steristrips, die die Schnittwunde zusammenhielten, aufgeweicht sind. Nun habe ich Sorge, dass die Wunde wieder aufreißt.
Ich gehe morgen in die Apotheke und besorge neue Strips.

Es ist für mich schwierig, das richtige Maß an ärztlich-empfohlener Ruhe und kindlicher Bewegungsfreude richtig zu dosieren.

Ich denke, Kind und Fuß kommen durch. :-)

LG, Elke

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3. Juli 2010

Samstag, 4:0 2010

 

Die Hitze der Großstadt macht den WM Teilsieg kaum aushaltbar. Der Tag hat etwas unentschlossenes, jetzt, wo hier weder gefeiert, noch zur Tagesordnung übergegangen wird. Die Männer sitzen vor dem Fernseher, lassen revuepassieren, ich sitze in meinem Verschlag hinten und unten auf der Straße hupen die Autos im Dauerkonzert.

Der Gang durchs Stadtteil während der zweiten Halbzeit war interessant. Ich hatte schon einen ersten Höhepunkt während des Schreibens in meinem Büro miterlebt, der zweite kam beim Knipsen dieses Bildes:

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Duissernstraße 76, mit Blick auf unsere zweigverhangene Wohnung, erste Fahne rechts unter Baum. Man spürt die Anspannung auch auf dem Bild, es sieht aus, als hätte die Nation ihre Männer auf das Schlachtfeld Fußballplatz geschickt und erwarte sie bald zurück.

Gerade denke ich, dass das Schwarz in der Schwarz-Rot-Goldenen Fahne etwas von einem Trauerflor hat, oder an das Schwarz unter den Nägeln eines Totengräbers erinnert. Es sollte besser blau-rot-gelb sein, denke ich, im selben Moment kommt es zu einem weiteren Höhepunkt, man hört ein ungläubiges Schreien, dann eine Weile Pause, Jubeln und ein verhaltenes Vuvuzela-Gegrunze. Ich wechsele die Straßenseite, der Regen pladdert auf die Schulter, die Kamera wird nass.

Im Haus gegenüber sehe ich ein fußballlebensgroßes blau-weiß-gestreiftes argentinisches Kerlchen hinter den Fenstern auf- und abgehen. Die rückwandgroße TFT-Röhre, bringt die Menschen jetzt 1:1 ins Heim.

Ich bringe die Kamera hoch, ziehe Schuhe an und greife nach dem Schirm.

Schon ein paar Minuten später, zwischen Zieglerstraße und Königsberger Allee, fällt das 3:0. Jetzt klingen die Vuvuzelas siegessicher, ein Mann schreit: „Argentinien geht nach Hause!”

Ich gehe weiter, zum Lutherplatz, versuche Geld aus dem Bargeldbankautomaten zu ziehen, aber schon die Tür zur Bank lässt sich nicht öffnen: „Magnetstreifen unten rechts” – uuuhhhh ich dachte, ich könnte das inzwischen. Am Lutherplatz steht ein Taxi, die Beifahrertür weit geöffnet, das Radiospiel überträgt es über die Straße. Ich höre, wie Messie Anlauf nimmt, gehe um das Taxi, rechte Flanke, dann Sturm, Pfeifen, Aufregung und im Weitergehen das Tor. Wow. Das hätte ich ihnen nicht zugetraut!

Wie lang muss ich noch laufen?

Keine Ahnung. Ich will den Punkt nicht verpassen, an dem befreite Menschen aus ihren Häusern quellen, sich vor der Tür umarmen, sich in die Autos setzen und loshupen. Ein wenig fühlt es sich an wie Silvester.

Silvester im Hochsommer.

An der Notkirche hängt ein Plakat: Public viewing. Aus der Kirche kommen Übertragungsgeräusche, alkoholisierte Feierstimmung. Ich finde das befremdlich. Letztens hörte ich einen Witz: Es betritt ein Kunde das Juweliergeschäft und lässt sich vom Verkäufer ein Kettchen mit Jesus am Kreuz zeigen. Was kostet das?, will er wissen — 1800, sagte der Verkäufer, — hm, macht der Mann, ein bisschen teuer. Was kostet es ohne diesen Akrobaten?

Bei facebook warnte neulich jemand vor Public viewing. Public viewing heiße das öffentliches Aufbahren und Anschauen von Toten. Man solle aufpassen mit Anglizismen, wurde ermahnt. Ich finde es fast schon wieder versöhnlich, dass die Kirche Public viewing anbietet.

Rechts hinter Achims Praxis auf der Martinstraße gehen die Böller los. Ich erschrecke fürchterlich. Was für ein Krach! Sch .. die Kamera nicht zu haben. Unsichtbare Raketen schrauben sich mit ihrem typischen Pfeifen in den Himmel. Knallfrösche explodieren, zu sehen ist niemand. Auch wirkt die Stille danach unheimlich. Niemand ist auf der Straße, niemand wünscht ein Frohes Neues.

An der Rosstraße tröten die Vuvuzelas wie ein Riesenbienenschwarm, kommen und summen durch Duissern. Jetzt brüllt es aus einer Kneipe: “Deutschland, Deutschland, Deutschland.” Mir kommt ein Jugendlicher entgegen, in der Hand einen Blumenstrauß, er freut sich. Er lacht über das Gesicht, lacht mich an, als wollte er sagen: „Frohes Neues!”

Deutschland, will ich sagen, es freut mich.

© Elke Bockamp

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19. April 2010

5 MANN MENSCHEN

5mannweiss2

Da sind sie, die fertigen 5er.
Bitte nicht meckern, dass es nur vier sind, der Fünfte steht neben mir.

Schöne Grüße und allen einen schönen Tag,
wünscht Elke

Kommentare

Hallo,
hab doch hier schon geguckt … nur noch nie was kommentiert. Allerdings hab ich hier kein Abo … vielleicht sollte ich mir mal eins machen. :) Wie das geht kann ich ja rausfinden.
Puh *schwitz.

Ich äh … ich kreig das hin …
G
Scarlett

guck, wann kommt denn mal ein neuer Eintrag? Bin noch da?!
Gr
Scarlett

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12. April 2010

OSTFRIESTAGE

 
Ich hab das Paradies gesehn,
es war um neunzehnhundertzehn.
Der Steuermann hatte Matrosen am Mast
und den
Zahlmeister haben die Gonokokken vernascht.
Aber sonst waren wir bei bester Gesundheit.
(Achim Reichel)

Nach dem einwöchigen Bildungsurlaub geht es nun, am 3. April, für eine Woche zum Relaxen und Abhängen in das Einöd Ostfriesland. Christine hat nahe Jemgum einen Bauernhof gemietet – für ihre Familie und für Stefan und mich, drei Erwachsene und zwei Kinder also – mit mehr als zweihundert Quadratmetern Wohnfläche, einem Garten und angrenzenden Feldern.

Emssperrwerk bei Nendorp

Tja, und wenn einer eine Reise tut, plant er gründlich, womit er die faule Zeit erschlagen wird. Vier Knäuel Sockenwollen hatte ich am Tage vor der Abreise gekauft, man kann ja nie wissen. Christine wollte Maschendraht und Gips mitnehmen, ein lebensgroßes Schaf für den Garten bauen. Wir hatten geplant die Saxophone mit auf Reise zu nehmen, aber zum Glück blieben Instrumente, Maschendraht und Gips zuhause. Dafür kamen die Aquarellfarben, drei Poetikbücher für die Schreibschule und die Fahrräder mit ins Gepäck. Ganz lecker Kochen wollten wir dort oben auch, Gesundes und viel Salat und Pudding, Obst und frisches Gemüse.

Doch zuerst einmal ist Ostern. Ostersamstag. Und was macht der Ostfriese an Ostern? Er macht ein Osterfeuer. Wir sehen vom Fenster mit dem unendlichen Blick auf die unendlichen Weite Osterfeuer neben Osterfeuer. Jedes Gehöft, das etwas auf sich hält, fackelt zu Sonnenuntergang ein Feuerchen ab, auf dem Nachbarfeld wird gerade ein zerschlissener Sessel angesteckt.

Privates Stockbrotfeuer

Wir sausen auf den Rädern nach Critzum zu einem Bauernhof, dort ist die Feuerstelle so hoch wie die Scheune selbst. Mit einem Schaufelbagger wird Brennholz nachgelegt, das ganze Dorf steht andächtig um die Flammen. Selbstgebrannter Kirschlikör wird gereicht, der Bauer kommt, stellt sich mir vor, bietet mir das Du an und ein Pilsumer, ruft seine Familie herbei, später dann das ganze Dorf. Die Kinder dürfen Kokeln, mit Stöckern und Zeitungspapier. Wahnsinn, wie schnell wir eingemeindet sind! Ich glaube aber dennoch, der Höhepunkt des Abend war, als einer der Feuerwehrleute eine Zigarette an die Lippen führte und in die Runde fragte: „Hat mal einer Feuer?”

kolossaler Ausblick aus dem Wintergarten

Andertags radeln wir zum Wehr. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung und Stefan bleibt im Watt im Schlicker stecken. Er hat Moder an Bein und Hose, Jacke und Fahrrad und Tränen treten ihm in die Augen – wir treten den Rückzug an.

Zum Glück ist das Haus groß genug und der Ausblick vom Wintergarten hinaus auf die Ostfriesischen Felder kolossal. Man kann ohne Hummeln im Hintern drinnen sitzen, sitzen, hinausblicken und genießen, wie die Landschaft sich vor jedem Wetter neu aufbaut.

Der Wintergarten ist ein inspirierender Ort, schnell werden die Aquarellfarben und das Papier ausgebreitet und dann wird gemalt. Die ländliche Umgebung, die Einrichtung des Hauses im Landhaus-Stil inspirieren mich – leider nur zu einem vermurksten Stuhl vor fauler Umgebung. Immerhin!

David und meineeine

Ditzum – Pelkum

Ostern ist – was die Feiertagsruhe betrifft – ebenso schlimm wie Weihnachten, und nach zwei Tagen ohne Geschäftsbummel und Einkaufsmöglichkeit, bin ich dankbar auf einem Plakat zu lesen: „Osterflohmarkt in Ditzum.” Oh, da will ich hin! Schnell noch auf die Karte geschaut, denn die Örtchen hier haben so wenig Unterscheidungskraft, sie klingen alle gleich, mit ihrem „um” am Ende und der Kirche in der Mitte. Vielleicht gelingt mir bis zum Ende der Ferien, Ditzum, Pelkum, Hatzum und Critzum auseinanderzuhalten.

Ditzum ist ein schnuckeliger Fischerhafenort, mit diesem aus Borkum so vertrauten Ostfriesenbacksteinrot der Häuser und dem Gekreisch der Möwen am Hafen. Apropos Hafen, am Hafen liegt die Fähre nach Pelkum, man kann mit dem Auto nach Emden übersetzen und spart sich so die endlose Fahrt um Emsmündung und Dollart und um Leer herum.

Standgutsammeln

Auf dem Ditzumer Flohmarkt finde ich eine elektrische Töpferscheibe, ich kaufe sie und die Kinder kaufen für je einen Euro Lose am Schießstand. Sie gewinnen jeder eine Mini-Gummifletsche. Auf der Rückfahrt singen wir Lieder von Achim Reichel, irgendwie hatte die Kassette aus den 80ern sich aufbewahrt und Aloha Heja he war schon … die Party im Gange!

Jeder Urlaub, und das ist meine private Einstellung, steht unter einem Motto, einer zentralen Idee. Ein Weilchen dachte ich, Landhaus wäre hier das alles überragende Motiv, das große Haus, die vielen Bücher und Zeitschriften zum ländlichen Wohnen, der verhuddelte Aquarell-Stuhl und das knisternde Osterfeuer legen dies nahe, doch dann rückte der unvermeidliche Heuschnupfen heran.

Stefan und David

Der Heuschnupfen kam, nachdem ich mich noch nicht ganz von den Tierhaaren im Haus erholt hatte. Ich dachte nur n0ch an eines: An Niesen und Naseputzen und daran, wie nett es wäre, eine kleine Trophäe für den fünfhundertsten Nieser oder das zweitausendste Naseputzen zu bekommen. Kurzum: es ging mir bescheiden und nachdem die Nieserei endlich ein Ende gefunden hatte, kam so etwas wie eine fiese Erkältung.  MERDE. Und HATSCHI!

Am dritten Tag (von sieben! noch keine einzige Socke fertig, nicht ein einziges Peotikbuch gelesen und nur ein einziges mickriges Aquarellbild gemalt) … ach, was soll’s, kommt die Kunst nicht zu mir, müssen wir zu ihr! Courbet, Hopper und Gursky warten auf einen Besuch in der Kunsthalle Emden.

Emden ruft

Heiner Altmeppens „Landschaft an der Emscher” erinnert an Szenen aus dem Ruhrgebiet.
Eh, steht dort hinten nicht das der RWW-Wasserturm?

Nach Emden zurück ins Landhaushaus, jetzt warten Sauna und Tischtennisplatte – die Kinder haben bereits alles ausgereizt. Im Hinterhof auf den Feldern halten sie ein Gartenhaus besetzt, mit Pfeil und Bogen, Steinfletsche und Stöckerkrieg. Sie tragen Essensreste hinaus, füttern den Fasan, den sie „Truthahn” nennen und haben Nintendo und Fernseher völlig vergessen. Einmal schleife ich sie mit zum Emslandpark in Leer, da verschwinden sie, stromern durch die Spielwarenabteilung von „Famila” und durch die Läden, während ich mir nach ihnen den Wolf suche.

„Aber das stellt ihr nicht bei youtube ein!”

Am letzten Tag vor der Abreise beschließen wir, das Meer zu suchen. Hinter Emden, hinter der Emsmündung, kurz vor Borkum, soll es beginnen. Doch es wird ein trostloser Ausritt, Wattenland, soweit das Auge reicht, die tief hängenden Wolken drücken aufs Gemüt, sogar, wenn die Sonne lacht.

Das Meer sehen

Tja, und dann ist dieser Urlaub auch schon zu Ende. Ich grüße euch mit einem Bild von Stefan, dem wackeren Leuchtturmbesteiger und dem tristen Draufblick auf das Campener Wattenmeer-Hinterland.

 
    
Wir kraxeln die 362 Stufen des Campener Leuchtturms nach oben (es ist der höchste Leuchtturm Deutschlands!), genießen und grüßen mit dem Ausblick auf das sonnige Ostfriesenland!

Kommentare

Hi Elke,

wow, das scheint ja ein super Urlaub gewesen zu sein.
Bis auf die Nießerei :-)

Ich war schon paar Mal in Bensersiel. Ist echt ne tolle Ecke da oben.

Schön geschrieben, macht immer wieder Spaß, deine Erlebnisse zu lesen.

Ciao – Gisi

Das liest sich ja alles sehr spannend!
Zum Sockenstricken hast ja noch ein bissi Zeit bis kommenden Herbst, aber das Bild vom Stuhl hätt ich ja schon noch gern gesehen …
Der Feuermann mit der Zigarette, der war echt cool! :-)
herzigst, Vreni

Oh, das Haus ist ja riesig und schön! Können andere das auch mieten? Schade, dass deine Allergie dir den Urlaub versaut! Wo sind die Bilder, die du gemalt hast? Und was ist ein Emssperrwerk?
vlg
Charlotte

Hallo ihr,

… so viele Kommentare :-)

Gisi, wir waren weiter westlich, die Örtchen mit “siel” am Ende kommen doch erst später — etwa gegenüber Spiekeroog. Wir waren bei den Dörfern um “um”, südlich von Borkum.

Tja, Stuhl und Bild Numero zwei, Vreni, die habe ich vorbereitet, ich werde sie noch verbloggen, knuspere aber jetzt am Lehrbrief und der geht vor. Übrigens habe ich für die Teilnahme der beiden Bilder am Wettbewerb grünes Licht bekommen. Er findet aber erst im August statt. Hoffentlich kann ich bis dahin noch Besseres malen.

Hallo Charlotte, das Haus lässt sich nicht mieten, einer Bekannten von Christine gehört es und sie hat es uns “nur so” vermietet — total günstig, aber wir mussten uns zwischen ihre eigenen Sachen puzzeln, weil … es ist ja eigentlich nicht zu mieten. Die Schränke und Kommoden waren belegt und in Küche und Kühlschrank mussten wir zusammenrücken.

Das Emssperrwerk dient wohl als Wehr der Energiegewinnung. Hier wird die Ems, bevor sie sich in die Nordsee gießt, gestaut.

Soweit so von meineeine, ich danke euch fürs Lesen und Kommentieren :-)

Viele liebe Grüße,
von Elke

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27. März 2010

manisch kreativ

Stefan und Fabio und Socken 

Auch wenn der Blog droht zu versocken, muss ich einmal meine Freude zu Ausdruck bringen, an der Handarbeitsnadel richtig ein paar Maschen auf den Weg gebracht zu haben: Nach vier Jahren ist Stefans Wunsch-Flauschepulli (s. oben) fertig geworden, dreimal musste er zwar aufgeribbelt werden, weil er inzwischen rausgewachsen war – und bei der Anprobe teilte Stefan sogar mit, inzwischen auch aus der Farbe herausgewachsen zu sein — oh Shit!, also stricke ich jetzt nur noch für mich: vier Knäuel Aldi-Sockenwolle zum Preis für ein Zehnerpack Tennissocken, aber wen juckt das. Was investiert man nicht alles in den Freizeitvertreib? Das Sockenpaar hat vier Wochen gebraucht – just in time jetzt zu nunmehr warmen Frühlingstemperaturen.  Wie es weiter geht, weiß ich nicht, wahrscheinlich werde ich wieder die weniger erfolgreichen Dinge im Leben kultivieren: Schreiben, Malen und Saxspielen.

Cheerio, es grüßt die bunte Masche.

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18. März 2010

Johann Wolfgang will Netto betreten

 

„Johann Wolfgang will Netto betreten“, poppte die Denkblase auf und er sah sich bei Netto um. Wieder nur diese beräderten Einkaufsgitter! Herrgott, ärgerte er sich, warum konnten die Leute nicht Körbe nehmen, vernünftige Taschen oder gar einen Gehilfen, warum musste er sich abplagen, warum gesellte sich keine Christiane an seine Seite? War er nicht lange genug hier, hatte er keine der niederen Frauen anziehen können?
Er brauchte dringend 200 Cybs, das stand fest. Er hatte 190, das hieß, Netto musste ihm die fehlenden 10 Cybs einbringen. Irgendwie.
„Hi Mephistoles!“ – eine hagere Frau schob sich ihm in den Weg. Ihre Haare waren blau, standen igelig ab.
Ein Punk, durchzuckte es ihn. Ein Punk. Wie hatte er auf einen Punk zu reagieren? Mit einem Klick verstellte er die Mimik auf „Wegsehen“ und drehte seinen Avatar um 90 Grad. Puh! Er musste vorsichtig sein. Wenn er sich nicht avatargemäß verhielt, würde ihm das 22 Cybs Strafe kosten, aber bei Netto sich avatargemäß zu verhalten, das war schon eine Herausforderung! Dabei hatte er nicht übel Lust, dieser gutbürgerlichen Punkerdirne zu zeigen, dass sie in Wirklichkeit eine studierte Altphilologin war. Dann hätte er 170 Cybs im Sack und konnte sich den ganzen Einkaufsrummel sparen. Doch die Zeit war knapp. Er musste binnen zwanzig Minuten seine Cbys eingesammelt haben, sonst verpasste er die Umkleide.
Wie hatte er überhaupt so blöd sein können, fragte er sich. Er kam jetzt zu den Fischkonserven. Ich hatte den Weibern mit diesem Johann Wolfgang imponieren wollen, gestand er sich. Gewiss, aber nicht denen mit blauen Haaren. Auch auf Altphilologinnen stand er eigentlich nicht. Wie hatte er … Neben seiner Denkblase poppte ein Sternchen auf: „Knuff gegen Oberarm.“ Oh, was denn jetzt? Er zoomte in die Totale – und blickte auf eine bis auf feinste Pixel gerenderte Gucchi-Leinenjacke. Oh Mann, Scherenhände? Johnny? – Sparrow? War das Sparrow? Ja, wenn ja, welcher? Es wimmelte nur so von Sparrows hier. War das der, der ihm im Moulin Rouge gestern Blutsbrüderschaft angeboten hatte? „Hi, Sparrow“, tippte er. Shit, wenn der jetzt Smalltalken wollte, würde das sein Zeitfenster sprengen. Aber wenn er ihn abwies, würde er 20 Cybs wegen fehlender Konversation zahlen und weil er Johann Wolfgang war, sicher das Doppelte. Langsam verfluchte er diesen Johann Wolfgang!
„Haste den Stilbruch gesehen, direkt bei den Möhren“, erschien in Sparrows Sprechblase, „da muss ein Genitiv hin und in der Frischtheke ist wieder ein Deppenapostroph. Johann, klemm dich dahinter, das bringt dir, geschickt ausformuliert, 800 Cybs!“
Oh mein Gott, war dieser Sparrow etwa der Gunhild aus seiner Studentenzeit? Gunhild, der vertrocknete Germanist?
Sein unveränderter Gesichtsausdruck brachte ihm 10 Cbys Strafe und dem anderen ein fettes Smiley-Lachgesicht.
Sparrow hatte Recht, die 800 Cbys waren nicht zu verachten. Aber schaffte er die noch? Er setzte 100 Cbys für eine dringende personal message: „Johann Wolfgang ruft den Netto-Filialleiter.“
Ein Avatar huschte herbei – mit unbedecktem Oberkörper, muskelpaketet wie ein Bodybuilder. Orgafresh, stellte er sich vor und weiter: „Eh, bissu Goethe, wa?“
Welch ein Akzent! Johann Wolfgang ließ seine Mimik lächeln. „Es gibt eine Kleinigkeit“, tippte er, „und zwar –“ er führte das auf, was Sparrow ihm angetragen hatte und bemerkte, dass sein Gegenüber zu lange brauchte. Zu lange. Gott, der musste handeln, wenn der nicht bald handelte, wurde aus der Umkleide nichts.
„2 Cbys Abzug wegen unerlaubt langem Aussitzen einer Antwort“, schlug er als Strafe vor, im selben Moment kam Leben in den Muskelbepackten, „Orgafresh wird zu einem wichtigen Telefonat gerufen“, gab die Sprechblase bekannt.
Oh Shit, Johann Wolfgang zuckte zusammen, das konnte nicht wahr sein!
Ihn durchfuhr ein Gedanke. Der Anruf war ein fake. Sollte er den Joker setzen? Er sah im Screen seine Lebenszeit abtickern, fünf Minuten, keine Zeit, ein Tribunal von Zweitlebern aufs Tapet zu rufen. Wenn er sich nicht sputete, hatte er diesen  Johann Wolfgang weitere sieben Tage am Wickel!
Er anvisierte die rechte Schulter des Filialleiters, mausklickte auf: „Stehen bleiben, Freundchen!“ und wartete, dass sein Text in dessen  Sprechblase erschien. „Seit wann rennt ein Netto-Filialleiter mit nacktem Oberkörper durch die Cyberwelt, hm?“, ereiferte er sich.
Orgafresh antwortete mit einem Ascii-Schimpfwortzeichen, das ihm prompt 7 Cbys Strafe kostete, drei weitere stellte ihm Johann Wolfgang sofort in Rechnung, weil er Netto-Filialleiter war und ein Filialleiter hatte sich vor seiner Kundschaft nicht so zu echauffieren!
Es fehlten noch 107 und ihm blieben kaum mehr als drei Minuten.
Doch Orgafresh schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. „Goethe, Goethe, Goethe! Der hätte gereimt, nicht so gesprochen!", verkündete er.
Verflixt. „Leck mich!“, tippte er,  grübelte. Rasch drückte er alt+tab und überführte sich ins Internet, googelte schnell nach „Leck mich“, und „Goethe“ – falls der Andere ihn darauf festnagelte. Einen Moment war er versucht, seine hochzufriedene Mimik seinem Avatar zu übertragen, doch er gab sich besonnen.
800 Cbys tickerten auf seinem Konto ein. STRIKE! Hatte Orgafresh freiwillig gezahlt oder Sparrow ihm eine wohltätige Summe überwiesen? Egal, er hatte mehr Cybs, als er nötig hatte und benutzte den Teletransporter zurück zum Portal. Vierzehn weitere Minuten Extralebenszeit kaufte er und verschwand in der Umkleide.
Man zog ihm die Kleidung vom Leib, der altbackene Körper des 50-jährigen verschmolz zu einem 2nd-Live-Standard, zur Rechten blätterte sich eine Bibliothek prominenter Existenzen auf, doch er hatte genug von diesen. Dort, links, die einfachen, die wollte er. Er klickte sie einzeln an: billige Landmädchen, die auf Gelegenheiten warteten, Gesindel, das bettelte. Ein einfacher Gaukler wollte er werden, ja, das wollte er. Ein Gaukler mit Narrenkappe, der dem Musikus mit Rassel und Eulenspiegel diente, ja, das wollte er.
Höheres, Prominenteres – das hatte er eigentlich hinter sich.

© Elke Bockamp

Kommentare

Na, da isser ja, der Johann! Das ist wirklich eine tolle “Zeitreise”!
herzigst, Vreni

Guten Morgen Vreni,
danke fürs Lesen und Kommentieren :-)
Ein bisschen musste ich verarbeiten, dass der geliebte Plus um die Ecke nun plötzlich Netto heißt.
Oder sind solche Dinge nicht wichtig?

…. gruebel …..

Herzliche Grüße ins Badnerland,
von Elke

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16. Januar 2010

 

Basílica de San Pedro

Kommentare

Wow, Elke, ist das ein Aquarell von dir?

Schönen Sonntagsgruß,

ciao – Gisi

Ja, ist es.
besten Dank :-)

Schöne Grüße zurück nach Siegburg und dir und den deinen einen angenehmen Sonntag,
wünscht Elke

Alle Achtung! Wann ist die Vernissage?

:-) – Gisi

Hey, Elke
Wo lernt man/frau das denn? Klasse,
Latifa

Hallo Latifa,

besten Dank für deinen Kommentar!

Ich bin seit dreieinhalb Jahren im Duisburger VHS-Aquarellkurs. Gelernt habe ich viel, ausprobieren muss man halt immer selbst.

90 Prozent aller Bilder gehen ins Höschen, eins der Guten habe ich — neulich gemalt, endlich mal wieder im Sack:

birken

Schöne Grüße,
von Elke

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9. Januar 2010

Samstag, der neunundVERschneite

Kaufland hat bereits zu, HELP, wo bekomme ich um die Zeit Erdnüsse her?
—> LECHZ <—

Manchmal habe ich einen Erdnuss-Überhibbel.
>>Seufz<< und habe KEINE :-(

Wir hatten den fünften Zoobesuch auf das Zoo-Jahresabo heute, die Sache ist nun also noch immer eine gute Sache. Die Tiere waren noch einmal mehr eingeschneit als Gestern, manche musste man regelrecht suchen und war dann erschrocken, wenn sie mit einem Mal vor einem standen. So der Sibirische Tiger und ein paar Straußenvögel, Aug in Aug, dicht am Plexiglas. Wir haben überlegt, einen Schneeball reinzuwerfen, aber das hätte sie nicht beeindruckt. Offensichtlich nehmen jetzt auch die Wärter die wenigen Besucher mit in die Fütterung. Damit die Tiere etwas Abwechslung bekommen. Bei den Schimpansen durfte eine Frau mit in den Käfig, ihr wurde aber immer wieder am Pferdeschwanz gezogen, was ihr zwar nicht gefallen hat, na ja, jedenfalls hat sie gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Die Pflegerin behauptete, sie habe Glück gehabt, denn der Schimpanse habe es eigentlich auf ihre Ohrhänger abgesehen.

Der freche Tukan ließ sich heute nicht blicken, dafür zeigte der rosa Flussdelfin gewisse Wiedererkennungstendenzen, er kam sofort an die Scheibe geschwommen und hatte die Augen offen. Manche Tiere arbeiteten sich aus ihren Löchern, weil Stefan vor ihrem Gehege ein Brötchen mit Salami verzehrt hat. Das hat den Kodiakbär veranlasst, die Nase zu strecken, aber auch die Frettchen-Otter waren beunruhigt.

Sonst gab es nichts Neues. Ich dachte, auf der Fahrt später, nach Walsum, würde uns der Auspuff abfallen. Zum Glück hatte uns der Wetterbericht (meiner!) keine große Schneemassen vorausgesagt, doch es kam genau anders herum: der Auspuff hielt stand und wir haben zweimal eine wahre Schlitterpartie auf den Straßen hingelegt.

Ob man für einen gewöhnlichen Samstag-Nachmittag Hals und Kopf für ein Stückchen Walsumer Kuchen und Charlotte-Dinkelgrünkernsuppe (oder heißt sie Charlotte-Grünkerndinkelsuppe?) Kopf und Kragen riskieren sollte, ist hier die zentrale Frage. Eine Autofahrt bei schlechten Sichtverhältnissen, wegen Dauerschnee auf eisbahnglatter Fahrbahn gehört sicher zu den letzten Abenteuern der Neuzeit. Zumal die Stadt seit gestern kein Streugut mehr hat (warum eigentlich nicht mehr? Jetzt ganz im Ernst, ist das nicht grob fahrlässig, wenn nicht sogar Verletzung der Städtischen Aufsichtspflichten/versuchter Totschlag/unterlassene Hilfeleistung???)

Die Kinder (Stefan und Beates Trio) schienen zuerst nicht kompatibel, doch zum Ende waren sie ein Herz und eine Seele. Einladungen für einen Gegenbesuch wurden ausgesprochen (Stefan, O-Ton: „Gerade die Mädchen waren sehr von mir angetan!”)

Wir Großen, Erwachsenen,  hatten viel zu Knabbern, Suppe zu schlürfen und auch die DVD des Autorenforums zu gucken. Zumindest haben wir uns Mühe gegeben, nicht zu oft zu stoppen und zu plaudern. So haben wir anderthalb Vorträge geschafft, nämlich: „Der psychopathische Bösewicht” und: „Die Rolle der Ironie in der Literatur” – immerhin!

Ja, und dann kam die Dinkelgrünkernsuppe und das gefährliche Nach-Hause-Schlittern und der Tag war um. Stefan las noch in „Von Idioten umzingelt” – im Bett, und ich in: „Adrian Mole – Die Achse des Bösen”, bevor ich jetzt zurück zum Google-Earth-Spiel gehe.

Hab ich etwas ausgelassen, etwas vergessen? – Ah, selbstverredend!

Ich habe ausgelassen, dass heute am Morgen um 9.30 Uhr der Anmaler vom Dienste hier mit der Hubba-Dubba-Farbe aufgeschlagen war, um die Decken von all den braunen fiesen Wasserschaden-ARGHHHH-Flecken zu bereinigen, und dass ich etwa zeitgleich das neue 40 Kilo schwere 1080-CD/DVD-Regal, das ich bei ebay für 50 Euro ersteigert habe, in meinem Büro angebracht habe. So, Leute, das Ding hängt jetzt (anstatt auf dem Boden zu stehen) unter meiner Decke, gehalten von vier Regalschienen und drei Winkelhaken.

Morgen werde ich allen Krempel, der nicht tiefer als eine CD ist, einräumen und … ha, wäre doch gelacht, wenn ich den Titel „Dreckigstes und schlampigstes Büro 2009” nicht noch im letzten Moment in „Aufgeräumtestes und inspirierendestes Büro 2010” umwandeln könnte.

Ich arbeite so hart daran, so hart, dass ich mir sogar das Saxspielen heute abgekniffen habe. Und das, obwohl ich heute Nacht geträumt habe, wie ich den Hyper-über-ultra-geilen-Saxsound endlich aus mir und der Tröte herausbekomme.

Drückt mir also für Regal und Sax die Daumen :-)

LG, Elke

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Es heißt einfach Grünkernsuppe. Grünkern ist Dinkel, der unreif (deshalb grün) geerntet und dann gedarrt wird, damit er nicht nachreift. Durch das Darren ist er kräftiger im Geschmack, ein bisschen wie gebraten, was ja ähnlich ist. Man kann kein Brot draus backen, sondern ihn nur zum Kochen nehmen, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnkern
Hat’s dir denn geschmeckt?
vlg
ch

Hi Charlotte,
ich glaube, das Darren war geschmacklich nicht ganz mein Dink. Außerdem war ich zu sehr auf das “Grün” von Grünkernsuppe fixiert (ähnlich Suppengrün), so dass es mehr schmeckte wie ein ökologischer Schafswollpullover als ein Salat .. äh Suppe! Etwa.
Es war trotzdem eine interessante Erfahrung, wobei ich mir denken kann, dass Grünkerne besser in meinem Müsli aufgehoben sind.
Anyway. Danke fürs Zubereiten. :-)
Wiki läuft bei mir nicht. Ob die böse sind? Vielleicht, weil ich den vertraulichen Worten des wiki-Oberhauptes nicht gefolgt bin und nix gespendet habe?
Hm …
LG, Elke

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